Eine Kampagne von Amref Deutschland – Gesundes Afrika

Khamis John Bebe ist 36 Jahre alt und im heutigen Südsudan geboren. Als er sechs Jahre alt war, musste seine Mutter alleine mit ihm und seinen vier Geschwistern vor den Befreiungskriegen nach Uganda fliehen. Dort war es immer sein größter Traum den Südsudan wieder aufzubauen. Heute, mit abgeschlossener Universitätsausbildung, ist er zurückgekehrt und macht genau das als Programmleiter bei Amref Health Africa.

Deine Geschichte ist wirklich sehr bemerkenswert. Kannst du uns mehr über dich erzählen?

Gerne. Mein Name ist Khamis John Bebe und ich komme aus einem kleinen Dorf namens Jombu im Südsudan. Der Befreiungskrieg und spätere Bürgerkrieg haben unser Dorf und die umliegenden Regionen komplett zerstört. Alle meine Verwandten mussten fliehen und sind heute als Flüchtlinge verstreut in Kenia, Tansania und Uganda.

Während der Befreiungskriege verstecken sich in unserem Dorf Rebellen und verbreiteten Angst und Schrecken. Sie suchten nach Kindern und Jugendlichen und zwangen sie in ihren Armeen zu kämpfen. Mein Vater verstarb als ich nur vier Jahre alt war. Seitdem zog meine Mutter mich und meine vier älteren Geschwister alleine groß. 1990 floh meine Mutter mit uns nach Uganda. Das war unsere Rettung. Obwohl das Flüchtlingsleben sehr hart war, bot es uns doch Sicherheit und mir die Möglichkeit zur Schule zu gehen. Nach der Grundschule fehlte uns erst das Geld für Schulgebühren und die Uniform. Also musste ich ein Jahr warten und Geld verdienen, bis ich dann doch die in Oberstufe besuchen konnte.

Die Essensrationen waren immer knapp und hielten selten für einen ganzen Monat. Doch meine Mutter hat immer einen Weg gefunden. Auf sie konnte ich mich verlassen. In Uganda konnte ich dann auch an der Universität meinen Masterabschluss in Gesundheitsmanagement machen.

Was hast du dir für dein Leben nach der Schule und nach der Universität erträumt?

Mein größter Traum war immer mit einer guten Ausbildung meine Heimat wiederaufzubauen und die Strukturen dort ganzheitlich zu verbessern. In dem Dorf, in dem ich die ersten sechs Jahre meines Lebens aufgewachsen bin, gibt es nur eine sehr kleine Gesundheitsstation mit kaum medizinischen Versorgungsmitteln. Es gibt dort auch keine gute Schule, eine viel zu hohe Schulabbrecherquote, keine saubere Wasserquelle und in fast allen Bereichen mangelt es an ausgebildetem Fachpersonal.

Mein Traum ist es, diese Zustände zu verbessern und aus meiner Heimat einen bewohnbaren Ort zu machen. Der Südsudan braucht positive Veränderungen. Es soll wieder ein schöner Ort zum Leben werden, ein Ort an dem Menschen wieder glücklich werden.

Hast du dich deshalb entschieden in den Südsudan zurückzukehren?

Seit meiner Kindheit und unserer Flucht wollte ich immer zurück in den Südsudan. Alle meine Verwandten und Freunde sind noch in Uganda oder anderen Teilen der Welt. Aber ich möchte die Chance, die mir mit meiner Ausbildung gegeben wurde, nutzen und dafür sorgen, dass aus dem Südsudan ein besserer Ort wird.

Ich stellte mir immer wieder die Frage: Wenn nicht ich im Südsudan bin und ihn verändere, wer dann? Sollte die Situation jedoch wieder völlig unkontrollierbar werden, muss ich wohl wieder zurück nach Uganda. Aber nur für eine gewisse Zeit, damit ich zur Ruhe komme und mir einen neuen Plan überlegen kann, um weiter an der Verwirklichung meiner Träume und an Situation in meiner Heimat zu arbeiten.

 

Wie geht es denn den Jugendlichen und jungen Menschen im Südsudan heute?

Der Südsudan hat den vielleicht längsten Befreiungskrieg im modernen Afrika erlebt. Mehr als 2,5 Millionen Menschen starben, fast 4 Millionen Menschen wurden vertrieben. Der Krieg hat die physische Infrastruktur und auch die sozialen Strukturen zerstört. Das Bildungswesen ist dem Verfall überlassen, nur 27% der Erwachsenen können lesen und schreiben. Das ist die niedrigste Alphabetisierungsrate weltweit.
 
Es macht mich sehr traurig, dass viele junge Menschen nicht die Möglichkeit haben in die Schule zu gehen und zu studieren. Sie werden es kaum schaffe ihren eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, besonders unter den jungen Menschen. Sie haben kaum Zugang zu Wasser, Nahrung und Gesundheitsversorgung. Krankenhäuser und Gesundheitsstationen sind meistens sehr weit weg, unterfinanziert und die Behandlungen zu teuer. Ich kann es verstehen, dass junge Menschen im Anblick dieser Lebensbedingungen und schlechten Perspektiven ihre Zukunft lieber woanders verbringen möchten und den Südsudan verlassen. Damit sich dies ändert, brauchen wir erst einmal Frieden, politische Stabilität, besser Gesundheitsdienste und Ausbildungsinitiativen für unsere junge Zukunft, sowohl im akademischen als auch im beruflichen Bereich.
 
 

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