Eine Kampagne von Amref Deutschland – Gesundes Afrika

Das "Horn von Afrika" ist der keilförmige östliche Teil des afrikanischen Kontinents mit den Ländern Somalia, Äthiopien, Dschibuti, Eritrea, Kenia, Sudan und Südsudan. Die Region gilt als chronischer Krisenherd und kriegsträchtigste Region Afrikas. Sowohl historisch als auch gegenwärtig. Die Folgen: Epizentren von Migration, Flucht und Vertreibung. Entgegen angstschürender Berichterstattungen finden die meisten Menschen Zuflucht in der Region. Nur ein sehr kleiner Teil flieht nach Europa.

NIEMAND FLIEHT FREIWILLIG

Krieg, Gewalt, Terrorismus, Klimawandel, damit verbundene extreme Wetterereignisse und Ernährungskrisen. Nicht ohne Grund wird das Horn von Afrika als „Ort der multiplen Krisen“ betitelt. Das Maß an Zwangsvertreibung nimmt enorm zu. Dabei werden die Abstände zwischen den Krisen immer kürzer und bieten den Menschen und der Natur kaum „Erholungspausen“.

Gleichzeitige Krisen am Horn von Afrika - Ein Überblick

Die größten Konflikte manifestieren sich im anhaltenden Bürgerkrieg und Staatszerfall in Somalia, den Folgen des Bürgerkrieges im Südsudan und dem „Kalten Frieden“ und Konflikten zwischen Äthiopien und Eritrea. Gepaart mit den fatalen Folgen des Klimawandels sorgen sie dafür, dass sich die Situation am Horn von Afrika zusehend verschlechtert. 

Die sowieso schon multiplen Krisen haben zusammen mit den Folgen der Corona-Pandemie in 2020 bereits 7,8 Millionen Menschen am Horn von Afrika an den Rand des Hungertods getrieben! Nicht weniger als 26 Millionen Menschen – darunter insbesondere Kinder und Frauen – leben in der Region in einer akuten Ernährungskrise und haben tagtäglich mit dem Hunger zu kämpfen.

März 2015 - Mai 2016
Gesamtes Horn von Afrika
Extreme Dürren
  • Führte zu schlimmster Hungerkatastrophe Ostafrikas seit Jahrzehnten
  • Allein in Äthiopien litten 6 Millionen Kinder an Unterernährung, 700 starben an den Folgen
  • Zahl der Vertriebenen in Somalia, Äthiopien und Kenia bei 2,6 Millionen
Dezember 2013 - Juli 2018
Südsudan
Bürgerkrieg
  • 400.000 Menschen wurden getötet
  • 4 Millionen Südsudanes:innen wurden vertrieben und mussten alles zurücklassen
Juli 2016
Südsudan
Eskalierende Konflikte
  • Oppositionsführer des Südsudan geht ins Exil
  • 270 Menschen sterben
März und April 2018
Kenia, Somalia, Äthiopien, Sudan
Überschwemmungen und Zyklone
  • Fast 500 Todesopfer
  • Mehr als 500.000 Menschen vertrieben
Juni 2018
Kenia
Ausbreitung des Rift Valley-Fieber
  • 26 Menschen erkrankt
  • Unzählige Tiere sterben oder erleiden Fehlgeburten, was zu fatalen Folgen für die Ernährungssicherheit der Viehhirt:innen führt
Oktober 2019 (bis heute)
Gesamtes Horn von Afrika
Anhaltende Dürren
  • Ausbleibenden Regenzeiten folgen extremen Sturzfluten
  • Ernten bleiben aus
  • Nahrungsmittelpreise steigen
  • Lebens- und Ernährungsgrundlagen von Millionen von Menschen sind gefährdet
2019 und 2020
Gesamtes Horn von Afrika
Heuschreckenplagen
  • Enorme Schäden in der Landwirtschaft gefährden die Nahrungsmittelversorgung
  • In Somalia: schlimmste Plage seit 25 Jahren
  • In Kenia: schlimmste Plage seit 75 Jahren
Oktober 2019 - Oktober 2020
Somalia, Südsudan und Äthiopien
Überschwemmungen und Sturzfluten
März 2020 (bis heute)
Weltweit
Covid-19 Pandemie
  • Todeszahlen sind in der erster Welle gering, jedoch sind die wirtschaftlichen Folgen für unzählige Menschen existenzbedrohend
  • Unterbrochene Gesundheitsdienste
  • Extremer Anstieg der Lebensmittelpreise
  • Seit Juni 2021: Katastrophale dritte oder vierte Welle mit stark gestiegenen Todesfällen aufgrund neuer Virusvarianten
  • Impffortschritt stockt aufgrund fehlender Impfdosen
November 2020
Äthiopien
Gewaltvolle Eskalation in Tigray-Region
  • Militäroperationen der äthiopischen Regierung gegen Rebellengruppen und gegen die Regierungspartei in der Region Tigray an der Grenze zu Eritrea
  • Zwei Millionen Äthiopier:innen und Eritreer:innen werden vertrieben
  • Fünf Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen
Mai 2021
Somalia, Kenia
Überflutungen
  • Periodische Dürren und Überflutungen gefährden in immer kürzeren Abständen das Leben der Menschen am Horn von Afrika
  • Naturkatastrophen sind in Somalia die zweitgrößte Ursache für interne Vertreibung
September 2021
Somalia
Drohende Heuschreckenplage
  • In Süd- und Zentralsomalia breitet sich aktuell eine neue Heuschreckenplage aus
  • Viele Binnenvertriebene strömen auf der Suche nach Nahrung in die Siedlungen der Hauptstadtregion Mogadischu
Spätsommer 2021
Kenia
Anhaltende Dürre
  • Ausbleibender Regen im Norden Kenias führt zu einer extremen Dürre
  • 2,4 Millionen Menschen sind von akuter Hungersnot bedroht
  • 0,5 Millionen Kinder sind extrem unterernährt

Immer mehr Menschen am Horn von Afrika fliehen, sind aufgrund der vielen Katastrophen gezwungen ihre Heimat zu verlassen und haben meist nicht die Möglichkeit zurückzukehren. Insgesamt sind derzeit etwa 5 Millionen Menschen in der Region auf der Flucht. Ein Großteil dieser Menschen findet Zuflucht in den Nachbarstatten: etwa 4,5 Millionen Menschen. 

Die Karte zeigt, dass alleine die drei Länder Uganda, Sudan und Äthiopien etwa zwei Drittel der Geflüchteten am Horn von Afrika aufnehmen. Auch Kenia und Ruanda schultern einen großen Anteil. Die große Mehrheit – etwa 80% – sind Frauen und Kinder. 

EIN GROßTEIL DER GEFLÜCHTETEN FINDET ZUFLUCHT IN DER REGION

Das Horn von Afrika in Zahlen

Was auf der Karte nicht hervorgeht:  Die Zahl der Binnenvertriebenen ist um ein Vielfaches höher. Bis zu 13 Millionen Menschen sind Stand 2020 am Horn von Afrika z.B. als Auswirkung von Extremwetterereignissen und anderen Krisen innerhalb ihrer Herkunftsländer vertrieben. Die meisten von ihnen innerhalb der Länder Somalia, Südsudan und Äthiopien – sie sind Flüchtlinge im eigenen Land

  • Menschen in akuter Ernährungskrise: 5,8 Millionen
  • Geflüchtete und Asylsuchende: 870.000
  • Aufgenommene Geflüchtete: 1,2 Millionen
  • Binnenvertriebene: 2,7 Millionen
  • Menschen in akuter Ernährungskrise: 6,5 Millionen
  • Geflüchtete und Asylsuchende: 2,2 Millionen
  • Aufgenommene Geflüchtete: 300.000
  • Binnenvertriebene: 1,7 Millionen
  • Menschen in akuter Ernährungskrise: 2 Millionen
  • Geflüchtete und Asylsuchende: 20.000
  • Aufgenommene Geflüchtete: 1,5 Millionen
  • Binnenvertriebene: 34.000
  • Menschen in akuter Ernährungskrise: 8,5 Millionen
  • Geflüchtete und Asylsuchende: 200.000
  • Aufgenommene Geflüchtete: 800.000
  • Binnenvertriebene: 2,8 Millionen
  • Menschen in akuter Ernährungskrise: 2,1 Millionen
  • Geflüchtete und Asylsuchende: 900.000
  • Aufgenommene Geflüchtete: 35.000
  • Binnenvertriebene: 3 Millionen
  • Menschen in akuter Ernährungskrise: 1 Million
  • Geflüchtete und Asylsuchende: 20.000
  • Aufgenommene Geflüchtete: 500.000
  • Binnenvertriebene: 400.000

Die größten Siedlungen für Binnengeflüchtete befinden sich in Afrika

In Somalia befindet sich eine der weltweiten größten Siedlungen für Binnengeflüchtete. Der Afgooye-Korridor liegt außerhalb der vom Krieg zerrissenen Hauptstadt Mogadischu. Über 13 Kilometer erstrecken sich die ursprünglich provisorischen Siedlungen, in denen Schätzungen zufolge etwa 600.000 Menschen in Hütten leben.

Viele von ihnen sind besonders schutzbedürftige Kinder, Frauen und unbegleitete Jugendliche. Doch auch in den Camps sind die Ressourcen knapp: es gibt meist nur schlechten bis gar keinen Zugang zu einer Grundversorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser. Trotzdem sind nur wenige Hilfsorganisationen vor Ort.

Auch die beiden weltweit größten Flüchtlingssiedlungen liegen in Afrika. In Kakuma und Dadaab – beide Siedlungen  befinden sich in Kenia – leben über eine Million Menschen und leiden auch hier immer wieder unter extremer Ressourcenknappheit.

 
 

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