Eine Kampagne von Amref Deutschland – Gesundes Afrika

In den letzten Jahren wurden Migration und Flucht medial immer mehr und oft überemotionalisiert dargestellt. Das Jahr 2015 war das Jahr der "großen Flüchtlingskrise" in Europa. Doch ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Migrationsbewegungen schon immer stattgefunden haben und keine neue "europäische Krise" sind.

MENSCHHEITS­GESCHICHTE = MIGRATIONS­GESCHICHTE

Wir sitzen alle im gleichen Boot.

Die Geschichte der weltweiten Migration begann bereits bei unseren Vorfahren, den Homo Sapiens. Sie machten sich aus dem Rift Valley in Afrika auf den Weg in andere Teile der Welt. Die meisten Menschen aus Eurasien und Nord- und Südamerika stammen von diesen frühen Migrant:innen ab. Geschichtlich gesehen sitzen wir also alle im gleichen Boot.

Menschheitsgeschichte ist gleich Migrationsgeschichte.

In den letzten 200.000 Jahren verließen Menschen aus den verschiedensten Gründen ihre Heimat; auf der Suche nach besseren natürlichen Ressourcen oder besseren sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Bedingungen. Sie träumten von einem Leben ohne Krieg, flohen vor Verfolgung, ethnischen Konflikten und wagten einen Neuanfang an einem anderen Ort.

Die erste globale Migration im größeren Umfang fand bereits im 15. Jahrhundert statt, als das Zeitalter der europäischen Expansion begann. Insbesondere ab dem 19. Jahrhundert bis ins frühe 20. Jahrhundert nahm die Abwanderung von Europäer:innen enorm zu. Dies führte zu einem Wandel in der Zusammensetzung der Bevölkerung in Amerika, im südlichen Pazifik, in Afrika und Asien.

Allein während der industriellen Revolution emigrierten 37 Millionen Europäer:innen nach Amerika. Immer mehr europäische Seeleute, Soldat:innen, Sträflinge und freie Siedler:innen wanderten während der kolonialen Expansion in die Kolonien nach Asien, Afrika und Lateinamerika aus. 

Erst als die globale Migration von Europa aus den Höhepunkt erreicht hatte, wurde Europa auch zu einem Zuwanderungskontinent. Bildungsmigrant:innen aus den Kolonien, See- und Handelsleute und Soldat:innen siedelten nach Europa über. 

Die Geschichte zeigt, dass Migration und Flucht schon immer stattgefunden hat. Es ist kein Phänomen der Gegenwart – ganz im Gegenteil: Der Mensch war nie sesshaft. In den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der grenzüberschreitenden Migration stabil und auf einem niedrigen Niveau geblieben. Nur etwa 2,8 bis 3,6% der Weltbevölkerung haben zwischen 1970 und 2010 dauerhaft staatliche Grenzen überschritten!

Migrant:innen, Asylsuchende, Geflüchtete, Binnenflüchtlinge: Menschen.
Doch worin liegt eigentlich der Unterschied in den Bezeichnungen?

Die UNHCR (Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen) klassifiziert nicht nur Migrant:innen und geflüchtete Menschen als Teil der globalen Migrationsbewegung, sondern auch Personen, die sich in flüchtlingsähnlichen Situationen befinden. Dazu zählen auch Asylsuchende, Binnenvertriebene und Fluchtrückkehrer:innen. Menschen, die ohne diese Bezeichnungen durch das Netz fallen würden.

Auf internationaler oder völkerrechtlicher Ebene gibt es keine allgemein anerkannte Definition für „Migrant:innen“. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) versteht den Term als einen Oberbegriff für Personen, welche ihre Heimat vorübergehend oder dauerhaft verlassen. Darunter zählen auch Geflüchtete, Vertriebene, Arbeitsmigrant:innen und Personen, die zu anderen Zwecken auswandern.

Das Völkerrecht zieht eine klare Trennlinie zwischen Migrant:innen und Flüchtlingen. Migrant:innen fallen nicht unter den Schutz der Genfer Flüchtlingskonvention.

Als Asylsuchende werden geflüchtete Personen bezeichnet, welche bereits einen Antrag auf Asyl in einem Land gestellt haben, jedoch noch auf die Anerkennung dessen warten. Nach der Anerkennung als Flüchtling stehen sie unter internationalem Flüchtlingsschutz.

Laut der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 sind Flüchtlinge Menschen, die sich aus begründeter Furcht vor Verfolgung, Konflikten oder Gewalt außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzen und nicht in dieses Land zurückkehren können. Ob die Furcht vor Verfolgung begründet ist, wird in einem Asylverfahren festgestellt.

Weltweit sind derzeit etwa 26,4 Millionen Menschen als Flüchtlinge anerkannt.

Binnenvertreibung ist die erzwungene Migration von Menschen innerhalb des Landes, in dem sie leben. Millionen von Menschen sind jedes Jahr gezwungen, ihre Heimat z.B. als Folge von Konflikten, Gewalt, Nahrungsknappheit oder Naturkatastrophen zu verlassen. Da sie keine Staatsgrenzen überschreiten, stehen sie nicht unter dem Schutz der Flüchtlingskonvention.

Ende 2020 galten weltweit 55 Millionen Menschen als Binnenvertriebene. 

Afrika als Kontinent der massenhaften Abwanderung?

Afrika wird oft als Kontinent der Massenabwanderung dargestellt. Doch die Zahlen zeigen schnell das Gegenteil: von den 2017 etwa 258 Millionen Migrant:innen weltweit kamen nur etwa 14% aus Afrika. Der Anteil der europäischen Migrant:innen ist deutlich höher: sie machten fast 24% der weltweiten Migrationsbewegungen aus.

 

41%

aller Migrant:innen kommen aus Asien.

24%

aller Migrant:innen kommen aus Europa.

14%

aller Migrant:innen kommen aus Afrika.

Afrikanische Migrant:innen machen nur etwa 0,5% der gesamten Weltbevölkerung aus. Doch innerhalb des Kontinents gibt es große Unterschiede. So sind die meisten Migrant:innen aus Ostafrika Flüchtlinge, während ein Großteil der Migrant:innen aus Westafrika Arbeitsmigrant:innen sind. Gegenwärtige afrikanische Migrant:innen – insbesondere aus Westafrika – sind meist junge, gut ausgebildete Menschen. 

Von den 14% der afrikanischen Migrantin:innen kommt nur ein kleiner Teil nach Europa oder verlässt Afrika. Insbesondere innerhalb der Kontinents und vor allem auch am Horn von Afrikas gibt es starke Migrationsbewegungen. So blieben 2017 etwa 70% der Migrant:innen aus Subsahara Afrika auf dem Kontinent. 

Die Leistungen der afrikanischen Aufnahmeländer werden aber oft vergessen. Südafrika, Uganda, Kenia und Äthiopien zählen unter anderem zu den größten Aufnahmeländern afrikanischer Migrant:innen. Uganda hat im Jahr 2020 1,4 Millionen Geflüchtete beherbergt, während Deutschland als deutlich größeres Industrieland 1,2 Millionen Menschen aufgenommen hatte.

Die Gründe warum etwa 36 Millionen Menschen in Afrika ihre Heimat verlassen sind vielfältig – oft jedoch erzwungen von schlechten Lebensbedingungen, fehlenden Entwicklungsmöglichkeiten und der damit verbundenen Perspektivlosigkeit. Zu den größten Push-Faktoren zählen:

Migration - Potenzial statt Belastung

Etwa 400.000 Zuwander:innen pro Jahr braucht Deutschland, um den Fachkräftemangel auszugleichen.
Also deutlich mehr als in den vergangenen Jahren.

Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele

Migration wird in den Medien, in der Politik und im Alltag immer wieder als Belastung für die Aufnahmeländer betrachtet. Tatsächlich aber sind Migrant:innen eine wertvolle und wichtige Ressource. In Ländern mit höherem Einkommen stellen sie oft einen beträchtlichen Anteil der Arbeitskräfte im Gesundheits- und Pflegewesen dar – wie lebenswichtig diese Menschen für uns sind, haben wir in den letzten Monaten gesehen. 

Studien des Internationalen Währungsfonds bestätigen, dass Migrant:innen einen positiven Einfluss auf unsere Wirtschaft haben; so könnte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) durch einen hohen Anteil von Migrant:innen an der Bevölkerung um bis zu 2% pro Kopf erhöhen. Wir profitieren also alle von den Menschen und ihrem Potenzial!

Folgende Potenziale bringt Migration sowohl für Aufnahmeländer als auch für Herkunftsländer mit sich:

  • Angekurbelte Wirtschaft durch: höhere Arbeitsproduktivität, steigendes BIP, geschlossene Arbeitskräftelücken, Erfüllung und Ausübung von vernachlässigten Berufen, mehr Steuereinnahmen, höheres Konsumniveau, Umschichtung von Ressourcen und Tätigkeiten und damit verbundene erhöhte Aktivität im Wirtschaftsgeschehen.
  • Bereicherung der Arbeitswelt: Migrant:innen bringen neues Wissen und Fähigkeiten mit in den Beruf.
  • Durch Rücküberweisungen in die Herkunftsländer steigen die Gewinne in diesem um 11 Milliarden Dollar. Ein stabile Quelle der Auslandsfinanzierung.
 
 
  • Durch Ausgaben für Lebensmittel, Bildung und Gesundheit, aber auch beispielsweise Investitionen in die Landwirtschaft wird der Handel angekurbelt.
  • In der Landwirtschaft ist Migration essenziell: Viele Migrant:innen kommen nur saisonal in ein anderes Land, um bei der Ernte zu helfen. Dadurch steigende Exporte wirken sich positiv auf die Wirtschaft aus. Viele landwirtschaftliche Tätigkeiten wären ohne Migrant:innen kaum möglich.

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